Neu aus dem „Europäischen Haus der Erzählkunst”: der Karlsruher Erzähl-Stoff!

Am 1. August fand rund um den Karlsruher Marktplatz ein „Frohes Fest“ für Johann Peter Hebel statt. Anlass war der 250. Geburtstag des großen badischen Schriftstellers und Theologen in diesem Jahr. Über 35 Jahre lang hat Hebel in Karlsruhe gelebt und gewirkt; in Karlsruhe entstand sein großes literarisches Werk.

• Für den Karlsruher Geschichtenerzähler war es eine besondere Ehre, mit der Durchführung des Festes beauftragt zu sein. Johann Peter Hebel ist für ihn ein großes Vorbild, das ihm auch immer wieder die „Hebel-Wirkung“ guter Geschichten vor Augen führt.

Einer der Höhepunkte des Festes war die Begegnung mit der Glocke „Eulalia“:

glocke eulalia

Die Glocke „Eulalia“ wurde 1992 bei der Glockengießerei Bachert als Olympiaglocke für die Sommerspiele in Barcelona gegossen. Sie hat den Ton c2 und einen Durchmesser von 820 mm bei einem Gewicht von 350 kg. Eulalia ist griechisch und bedeutet "die Redegewandte". Wegen einer kleinen Unstimmigkeit durfte „Eulalia“ ihren Dienst in Barcelona nicht antreten. Als der Karlsruher Geschichtenerzähler vor einiger Zeit davon erfuhr, versprach er der Glocke spontan eine Ehrenrettung und einen „großen Auftritt“ beim Johann-Peter-Hebel-Fest zusammen mit einem Saxophon. Die Firma Bachert war bereit, die Glocke auszuleihen.

„Eulalia“ wurde am Vorabend des Festes von der Karlsruher Spedition Bissinger auf dem Marktplatz angeliefert. Dort sollte sie ihren Standplatz genau in der Mitte der im südöstlichen Teil des Platzes aufgepflasterten Fensterrose des Basler Münsters einnehmen – unmittelbar vor Hebels Wohnhaus neben der Evangelischen Stadtkirche. Gegen 18 Uhr wurde der Karlsruher Geschichtenerzähler von Herrn Bissinger gebeten, zum Marktplatz zu kommen, um dort die Glocke „auf den Punkt“ zu bringen.

Bei seinem Eintreffen erlebte der Erzähler eine Überraschung. Um den Transporter herum hatten sich mehrere Personen versammelt, die fasziniert das Geschehen beobachteten. Es stellte sich heraus, dass es Touristen  waren – aus Barcelona!

gaeste aus barcelona

Der deutsche Begleiter der Gruppe hielt das denkwürdige Treffen mit der Kamera fest .Und er versprach, die Bilder umgehend auf elektronischem Wege nach Barcelona zu schicken. Die spanische Gruppe musste bereits am 1. August die Rückreise antreten und hatte noch am gleichen Tag eine wunderbare Erinnerung an die Stadt Karlsruhe und die Glocke „Eulalia“ auf dem Computer.

So kam die Glocke „Eulalia“ doch noch nach Barcelona!

Und zwar ganz zeitgemäß: per e-mail! Achtzehn Jahre lang hatte „Eulalia“ auf diesen Moment warten müssen, nun wurde ihre Geduld belohnt. Und ihre Geschichte hatte eine gute Wendung genommen – aufgrund der Hebel-Wirkung eines Festes auf dem Karlsruher Marktplatz!

„Alles hat seine Zeit“ notiert der Karlsruher Geschichtenerzähler in sein Kaspar-Hauser-Zeitplanbuch und überlegt:

„Einige Karlsruher werden hier von einem Wunder sprechen. Anderen wird das Ganze eher spanisch vorkommen. Wie sähe ein Kompromiss aus, auf den sich beide Gruppen einigen könnten?“ Und der Erzähler schlägt vor, die Geschichte von Eulalia

„einfach wunderbar“

zu nennen. Mit dieser Formulierung können doch Alle gut leben können und wieder einmal wird in Karlsruhe gezeigt, wie man den großen Bogen schlägt und vermeintlich Unvereinbares zusammenbringt.

• Wenn wir schon dabei sind:
Nennen wir doch gleich die ganze Stadt Karlsruhe „einfach wunderbar“

Gruß ans Stadtmarketing! Der Slogan „Karlsruhe – einfach wunderbar“ besitzt viel emotionale Wärme und es steckt unglaublich viel dahinter!

Natürlich wird es Fragen geben und man wird wissen wollen, was denn an Karlsruhe so Besonderes sei. Aber jede Frage ist eine Einladung zum Gespräch und schon ist die interessanteste Diskussion im Gange! Und ist es nicht die beste Werbung für die Stadt Karlsruhe, wenn sie mit dem Wunderbaren in Verbindung gebracht wird?
Das Schöne daran: Es gibt keinerlei Erklärungsnot! Denn zumindest Alle, die seit heute um die Geschichte von „Eulalia“ und ihrer zeitgemäßen Ankunft in Barcelona wissen, haben sofort jede Menge Erzähl-Stoff.

Unter Kennern: Es ist Stoff vom Feinsten…

Manfred Bögle
Europäisches Haus der Erzählkunst
wirkstatt – Forum Erlebenskunst