Rainer Brämer (März 2000)
Dass
es sich bei der Definition "schöne Landschaft" nicht nur um einen
bloßen ethnischen Charakterzug handelt, machen psychologische Untersuchungen
deutlich. Danach ist nämlich unser landschaftliches Schönheitsempfinden
keineswegs nur eine rein subjektive Angelegenheit. Zwar entwickelt
jeder eine besondere Zuneigung zu solchen Landschaftsformationen,
in denen er aufgewachsen ist. Darüber hinaus gibt es jedoch weltweit
erstaunlich einheitliche Vorstellungen davon, was die Ästhetik der
natürlichen Umgebung ausmacht. Landschaftliches Schönheitsempfinden
hat also durchaus auch eine objektive Komponente, und dabei kommt
speziell die deutsche Mittelgebirgslandschaft bemerkenswert gut
davon.
Das lässt sich jedenfalls aus den Bunden der "Landschaftspsychologie" ableiten, eines relativ jungen, in Amerika als Teil der "environmental psychology" entstandenen Wissenschaftszweiges. Sie konnte anhand von Fotoreihen nachweisen, dass es für Europäer, Amerikaner und Asiaten eine ganze Reihe von Szenarien gibt, die weitgehend herkunftsunabhängig als schön empfunden werden. Zu den Basisstrukturen einer schönen Landschaft gehören u.a.:
Weitere Kriterien sind:
Wenn
man sich nach den Ursachen der weltweiten Über- einstimmung in punkto
Landschaftsbewertung fragt, stößt man unweigerlich auf die menschliche
Gattungsgeschichte. Eine genauere Analyse zeigt, dass die heute
als "schön" empfundenen Landschaftselemente für unsere sammelnden
und jagenden Vorfahren eine besondere Bedeutung hatten: Sie waren
überlebensfreundlich und gaben den Menschen in einer feindliche
Umwelt das Gefühl von Sicherheit und Überlegenheit. Was damals das
Wohlgefühl persönlicher Geborgenheit vermittelte, verbindet sich
heute mit dem scheinbar so schwer definierbaren ästhetischen Wohlgefühls
eines schönen Anblicks, ohne dass wir uns noch über die Herkunft
dieses Gefühls im Klaren sind.
Auszug
aus der Broschüre "Die neue Lust am Wandern" von Rainer Brämer,
mit freundlicher Genehmigung des Autors.
Weitere Schriften sind in der Reihe "Wandern Spezial - Studien aus
Wissenschaft und Praxis" erschienen und zu beziehen über:
Rainer Brämer
Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Marburg
Wilhelm-Röpke-Str. 6b
35032 Marburg
Email: Braemer@mailer.uni-marburg.de